Kurz vor der Trauerfeier für die Toten bei der Loveparade drängen neben Politikern nun auch Bürger den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zum Rücktritt. Rund 250 Demonstranten riefen den Stadtchef vor dem Duisburger Rathaus zum Rückzug auf. Einem Medienbericht zufolge verlöre Sauerland damit allerdings alle Pensionsansprüche. Die Gedenkfeier am Samstag in einer Duisburger Kirche soll ins Fußballstadion der Ruhrgebietsstadt übertragen werden.
Die Demonstranten auf dem Rathaus-Vorplatz fragten auf Plakaten nach den Schuldigen für die Massenpanik vom Samstag, in deren Folge 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden waren. Zugleich verlangten die Demonstrations-Teilnehmer eine lückenlose Aufklärung. Für die Opfer der Tragödie legten sie während der Kundgebung eine Schweigeminute ein. Laut Polizei gab es bei den Protesten keine Zwischenfälle.
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) legte Sauerland indirekt den Rücktritt nahe. Der OB und die Verantwortlichen in der Stadtspitze "werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte sie der "Rheinischen Post". NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich im Sender n-tv überzeugt, "dass der Oberbürgermeister gut beraten wäre, sehr schnell für sich die Antwort auf die Frage zu finden, welche moralische Verantwortung er trägt, und daraus zu handeln". Der FDP-Landtagsabgeordnete Horst Engel nannte Sauerland im RBB-Inforadio den "Untoten in der Stadtverwaltung in Duisburg".
Sauerland weist eine Mitschuld am tödlichen Ausgang der Loveparade von sich. Er habe "keine einzige Genehmigung" für die Veranstaltung unterschrieben, sagte Sauerland der "Bild". "Das ist gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, Genehmigungen zu unterschreiben." Die Abschlussgenehmigung habe "einer unserer besten Kollegen" abgezeichnet. Einen Rücktritt lehnte Sauerland erneut ab. "Ich habe mein Leben - 21 andere Menschen haben es verloren. Ich will erst wissen warum. Danach entscheide ich über persönliche Konsequenzen."
Da das Landesbeamtengesetz in Nordrhein-Westfalen einen Rücktritt aus politischen Gründen nicht vorsehe, müsste Sauerland einen Antrag auf Entlassung stellen, zitiert die in Hannover erscheinende "Neue Presse" Heinz Wirz, den Justiziar des nordrhein- westfälischen Steuerzahlerbundes. Wer das aber tut, "verliert sämtliche Ansprüche auf Dienstbezüge und Versorgung", erklärte Wirz demnach.
Verloren wären damit für Sauerland auch die Pensionsansprüche, die er sich vor der Wahl 2004 in langen Jahren als Oberstudienrat im benachbarten Krefeld erworben habe. "Das ist knallhart", sagte Wirz der Zeitung. Der dann Ex-Beamte würde lediglich in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert.
Für den 55-Jährigen OB wäre das ein herber Verlust: Als B10-Beamter beziehe er ein Grundgehalt von 10.582,30 Euro plus Zulagen, berichtet die Zeitung. Für 2009 habe Sauerland in einer Mitteilungsvorlage für den Rat der Stadt Duisburg zusätzliche Nebeneinkünfte von 16.100 Euro im Jahr angegeben, zudem nehme er rund 50 zum Teil gut dotierte Mandate in Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräten sowie Verbänden und Vereinen wahr. Erhalten blieben ihm die Pensionsansprüche nur, wenn er die Amtszeit regulär 2014 beende oder abgewählt werde.
Die zentrale Trauerfeier für die Opfer findet am Samstag in der Duisburger Salvatorkirche statt. Die Gedenkfeier soll auf Großleinwände in die Duisburger MSV-Arena und auf den Vorplatz des Stadions übertragen werden.
Zu der Trauerfeier werden auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Sauerland will dagegen nicht teilnehmen. Ein Stadtsprecher hatte zur Begründung gesagt, der OB wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren".